schantallsche

vanilla sky▲ meine liebe freundin a. hatte während ihrer studienzeit in hessen ein schantallsche als nachbarskind. nach dem wieder und wieder gerufen wurde. die norddeutsche a. lernte den dialekt wundervoll zu imitieren – daran musste ich denken als ich schantall tu mal der omma winken gestern im buchladen sah. der erste sozialarbeiter roman! ich hab reingelesen und fands nicht so toll, aber überfällig scheint er gewesen zu sein, die leute scheinens mordsgut zu finden, listenplatz 2. vergessen welche liste.

ich dachte an a. und an pausen mit den kollegen und entwürfen von szenen für eine soap aus dem obdachlosenmilieu – hat wahnsinnig spass gemacht. manche dinge waren allerdings so derb, daß wohl nur sozialarbeiter drüber lachen können – nunja. das schöne an dem job ist wirklich, daß du geschichten mitbekommst, die dir im traum nicht einfallen würden und wenn du sie mit kollegen ausbreiten und zerpflücken kannst, dann kann das wirklich ein spass sein. ohne kollegen mit ensprechendem mitteilungsbedüfnis und humor kann der job dann wiederum entsetzlich trist und saugend sein und du fragst dich, was zum teufel du mit diesen scheissgeschichten anfangen sollst. hm, was fange ich nur an –

(foto: weheartit)

dream on

das salz auf meinem sofa, der kamelhaardecke, dem neuen grauen grobstrickschal (gerade fertig geworden) färbt sich rosa. ich kaufe derzeit rotwein in halbliterflaschen und eine ist mir eben umgekippt. ah, er war köstlich und tröstete mich übers freund vermissen hinweg. mein süsser süsser freund macht eine woche lang ferien und kind zwei ist krank und der job strengt mich plötzlich an und hier vermisse ich mit kollegen übers fernsehen reden und über andere dinge. das kommt wirklich zu kurz. mit freundinnen treffen und übers fernsehn reden und jeanshosenpassform und rotwein auf dem sofa, das ist auch nichts, ich meine, mit freundinnen muss ich über andere dinge reden und darüberhinaus geht das diese woche ja nicht ohne kinder, also nicht ungestört und so mache ich lieber soloprogramm. zoo, babyflohmarkt, ponyreiten in der hasenheide, drachen steigen lassen aufm tempelhofer feld. solche sachen. ach, ich vermisse meinen süssen süssen freund so sehr, das hat mich richtig überfallen heute. ich kam nachhause, die coolste nachbarin der welt sass in meiner wohnung und bewachte den schlaf des kindes, trank tee, redete mit mir über dies und das und andere nachbarn, es war zauberhaft dieses nachhause kommen. und doch. he, mein liebster fährt für eine woche weg, ist auch mal gut, höhö, eine woche pause und blöde zeitschriften lesen, ohne dass er die augenbrauen hochzieht und nicht überall seine socken usw. ach, scheiss drauf, dieses mal ist dieses alleine sein nix für mich. morgen kommt die putzfrau und macht die wohnung schön. ich habe einen termin mit einer lehrerin eines jungen mädchens das die schule schwänzt und das ich kaum kenne, weil deren mutter alle aufmerksamkeit für sich braucht. ich bin zur zeit nicht gut in meinem job, ich bin zuwenig klar und dann wieder zu derb und zuwenig behutsam. mir fehlen diese kleinen gespräche mit kollegen, frage und antwort zwischen tür und angel, feedback und rückversicherungen und über mich und meine arbeit reden können einfach so zwischendurch. neben fernsehprogramm, ferienplänen, busverspätungen, kinderkram. home office und alleine durch die stadt kann gut sein, ich versuche mich reinzufinden und ich werde mich bemühen besser zu werden, besonnener, lässiger, freundlicher, sanfter, klüger – all das. all das. irgendwann werde ich den job besser machen und mich gut zurechtfinden auch ohne kollegen an der hand. irgendwann kucke ich woody allens stadtneurotiker, lese on human bondage von william somerset maugham zuende, fahre nach china und nach indien trage ein silbernes glitzerteil und diesen wahnsinns tweedmantel aus der toast collection von letztem jahr, höre musik nur noch laut, habe mein tv zerschossen und die wohnung bis auf bett, tisch, stuhl leergeräumt. dann vermisse ich nichts und niemanden, habe keine splitternden fingernägel mehr und trinke den wein aus der flasche und bin mords frei. ach, träumen.

tag mit nummer

countdown arbeit, erster ferientag und erster tag mit oma. sie ist gestern angereist und heute mit den kindern in den zoo. ein klassiker. dann müssen der michel und ich nicht. der morgenstress macht mich dennoch fertig: oma eins hat genaue vorstellungen was sie in den zoo mitnehmen möchte und was nicht. das miamädchen darf also nicht ihr plastikpferd mitnehmen & muss andere sandalen anziehen. also habe ich die puppe in den buggy und die anderen sandalen. undsoweiter.

ich habe jetzt ein halbes stündchen, muss gleich zum arzt, zur arbeit erst spät. heute ist mal wieder gespräch aufm amt dran. der den ich begleite benimmt sich möglicherweise wie ein sehr trotziges kind, die frau vom amt wird einen waaaahnsinns genervten ton drauf haben und ich bin gespannt, ob der den ich begleite irgendwann den raum verlässt, türenknallen und maßnahme beendet, ein schönes leben noch. mal sehn, ich bin irgendwie gleichmütig. okeh, ich werde auch einen vortrag halten, pädagogische einschätzung, verlauf und ausblick und vielleicht reisst das ja was raus. ich werde nicht stumm und mirdochegal dasitzen, aber im kopf, im kopf, da denke ich: wurscht! es ist tag minus vier!

die letzten tage

im alten job. abschiede fallen mir schwer, immer, ich bin schrecklich sentimental und vermisse plötzlich dinge die ich zuvor eher lästig fand – aber mir schwant, ich werde in zwei wochen aus dem büro gehen und nicht zurückblicken. ja, nette kollegen und das so eng im team arbeiten werden mir fehlen. die olle kaffeemaschine, der supermarkt gegenüber, der tratschende hausmeister, die tristen räume? am ende war ich einfach schon zu lange zu abgefressen von den arbeitsbedingungen, dem beständigen druck, den ewigen ausnahmesituationen und dramen. bin mir nicht sicher, was mich in meinem neuen job erwartet – druck, dramen, ausnahmesituationen – damit rechne ich auch. aber es wird neu sein. ich werde neue geschichten hören und dazulernen. und bevor das losgeht: sommerferien & ein paar tage im freibad. ach, wenn ich jetzt nochn bikini finde ist mein glück perfekt.

tschüs!

würde ich gerne zu meinem job sagen, zu meinem arbeitgeber, den armen obdachlosen, dem schäbigen büro, dem siffigen kühlschrank – ach zu allen dingen dort drüben an meinem arbeitsplatz. ich möchte kündigen, ich möchte es so sehr. ich möchte frei haben, und mir was anderes suchen, aber ich möchte davor frei haben. das entwickelt sich zu einer fixen idee. mir was neues überlegen. hach. überall um mich herum neuanfänge und umbrüche und ich schlurfe weiter in meinem leben herum, die tage vergehen und in ein paar jahren reisse ich mir die haare einzeln raus, weil ich nicht den mut hatte… tja, es ist nicht mehr so leicht, mal eben einen neuen und besseren job aufzureissen. ich bin mittelalt, habe zwei kleine kinder und kann nur sozial. sicher gibt es in dieser stadt eine menge menschen, die sozial brauchen, nur bezahlt wird das meist unterirdisch schlecht. deren armut kotzt mich an und meine aber auch. irgendwann hätte ich gerne mal eine grössere wohnung z.b. oder neue turnschuhe UND sandalen UND einen fotoapparat. blöder konsum. blöde existenzangst. blöder scheiss drecks job. was wiegt stärker, hm?

blame it on

the sunshine

nachher ein ritt quer durch die stadt, mitm bus, einem zahnlosen gleichaltrigen mit schlechten tatoos all over um beim sozialamt vorzusprechen. ich freue mich jetzt schon. r. ist sehr leutselig und redet viel und auch davon, dass er an sich arbeitet. mit dem alkohol klappt das trotzdem nicht, auch nicht mit dem kontakt zur tochter oder einfach, sich von leuten fernzuhalten, die stress machen. immerhin knackt er keine autos mehr. und schlägert sich nicht wirklich. gefragt habe ich mich, wer oder was, im gespräch beim amt, für ihn schuld ist an der ganzen misere… was für eine spannende spannende frage!

danach ist feierabend und eisessen in der sonne (denke ich doch) und jetzt gleich ein kandidat, der irgendwie unterdrückt aggressiv ist und mich neulich mit den worten begrüsst hat: da hast du mal wieder geschlampt. ich wette, der würde mich gerne tiernamen nennen undsoweiter. ach, die armen obdachlosen…

sie sind ne show

kinder. aufm sofa liegen und den kindern beim spielen zukucken. wenn sie sich nicht beirren lassen und nicht anfangen zu jammern willdiesdas oder spielmitmama! ist es toll. leider ist dieser teil des tages schon vorbei und ich sitze bei der arbeit in einem schäbigen büro ohne positive reize und pflege meine schlechte laune. mein körper fühlt sich angesichts der strahlenden sonne draussen an wie eine wintrige käsige masse, die klamotten fleckig und zerschlissen – was könnt ich wieder jammern heute! schnipp! ich mach mal kaffee, gehe ins andre büro, dort stehtn radio, haue in die tasten, alle berichte und notizen aktualisiert – es verspricht ein mordserfolgreicher prima tag zu werden!