der müde juli

vor den ferien ist das immer so sagt der michel. nur von einem zum andern und keine zeit zum innehalten. ach, ich weiss nicht, ich habe das gefühl es ist immer immer so. gerade finde ich mich nicht so gut in meinem leben.

im juli gabs viel besuch, sonne, alte t-shirts, barfusslaufen und blasen laufen mit den bunten sandalen, ach, sie sind aber doch so schön –

wenige aber zauberhafte tage im grünen, selbstgesäten salat pflücken und essen und von mücken stechen lassen. müdes lesen langatmiger romane. eine freundin kam vorbei und sagte, ich muss sofort wieder gehn ich bin so müde. wir gähnten ein wenig miteinander.

im juli habe ich viel gekramt. ich habe das lebensverändernde brot gebacken und gedacht, wenn das leben in diese richtung verändert wird, dann ist das mir zu fad. also dann will ich lieber das leben das ich habe. weil, das brot schmeckt echt langweilig. wie ein fader nussriegel ohne zucker, mit zuviel sonnenblumenkernen. überhaupt: ein brot, lebensverändernd? diese übertreibungen und absolutheiten nerven mich. auch die amerikanismen. auf der penny einhorn tüte steht: do awesome things. ich stehe an der kasse bei penny in schöneberg irgendwo. eine frau ruft die warteschlange entlang: was heisst denn WESOHMEE? was heisst denn das? sie muss mehrmals rufen, bis ich merke dass sie mich meint. ich kaufe die einkaufstüte, weil sie hellblau ist und wegen des einhorns, der spruch do awesome things ist naja. brrrr. ich mag diese sprüche nicht: nutze den tag, tu mehr von dem was dich ankotzt, sei so glücklich, sei so froh…. amerikanische predigergehilfensprüche sind das für mich. mir fremd, sehr. eigentlich. und doch begegnen sie mir im alltag immerzu.

eine neue zeitschriftenliebe: die süddeutsche familie & kind. allein das letzte kinderheft war ein knaller, echt. kind 1 und 2 streiten sich regelmässig drum und rufen ICHICHICH.

getan, tja, was eigentlich? gelacht und unter halsschmerzen gelitten. supergesund gegessen und espadrillen und eine sonnenbrille gekauft. wenig gelesen.

im august, also bald, will ich gymnastik oder pilates machen, heimlich, beides am besten. strickwolle kaufen und was anfangen. einen schal oder so. mal wieder ins kino und mal mit dem michel ohne kinder sein. weiter daran arbeiten ein besserer mensch zu sein (ohne amerikanische romane und ohne sprüche), die füsse in einem duftenden sprudeligen fussbad. dazu musik, portishead portishead. alte vorhaben über bord werfen. oder zu neuen machen.

und immer blumen vom wegesrand.

 

 

 

halbzeit. ich würde so gerne eine liste

IMG_3018schreiben.

meine letzte liste gefällt mir ja immer noch. aber. das listenschreiben erschöpft sich im listenschreiben. überschriften passen besser dieses jahr.

körper

ich brauche keinen bikini sondern die figur dazu. dazu passt auch dieses hübsche sachen essen und auf mich achten, bewegung, licht- und luftbäder…. das alles in einem mitte vierzig körper. klingt eeecht gut. ich fange bald an, naja, will sagen, ich nähere mich konsequent der erfüllung all dieser dinge. auf dem sterbebett sehe ich dann tippitoppi aus. dann habe ich auch mal zeit für kosmetikerin, augenbrauen, wimpern und so. grundsätzlich stelle ich fest: ich mag meinen muttispeck nicht, bin aber mit meinem körper recht glücklich. er fühlt sich gut. ich gebe ihm manchmal was er verlangt und manchmal nicht. das ist in ordnung. über bikini und drumherum mache ich mir ein andermal gedanken.

geist

jaja, gedanken. mehr nachdenken, geistig in bewegung sein. das steht auf der liste. das ist ne gute sache. nicht verblöden und immer nur stammtischgespräche oder mit den nachbarn übers wetter oder pink floyd. das gute ist, ich habe ein paar menschen um mich herum, die gerne mal kluge sachen sagen und/oder mich zurechtrücken, wenn ich in trägheit versinke. und: ein gutes zeichen ist immer: ich lese derzeit keine krimis. wenn ich krimis lese befinde ich mich IMMER in einem psychisch fragilen zustand, der sich zusammensetzt aus schlechter laune, mich zu-kurz-gekommen-fühlen, rückenschmerzen, schlechter haut, angst vor krankheiten und tod und dann gerne mal kippt in blöde übellaunige schlafstörung. will sagen: nicht gut. auf der ernährungsebene: wie nur chips und cola. länger als drei tage.

dasein

die jobkrise überwinden steht auf der liste 2015. hab ich nicht. werde ich nie. immer noch mach ich den alten kram, ab und an taucht ein stellenangebot auf, auf das ich mich bewerbe – und, wie ihr euch denken könnt: nüscht wird daraus. im augenblick ist mir das egal, weil ich irgendwie entspannt und gleichgültig bin. ich darf nur nicht geschichten hören von leuten die was anderes tun und anfangen und das mit leidenschaft, dann….

wollen

ja, nähen, immer will ich nähen und genähte sachen haben und anziehen. würde ich überhaupt was anderes anziehen als beliebige schwarze shirts und blusen und jeanshosen? das ist die frage für 2016. wenn ich die beantwortet habe, fange ich an zu nähen, ganz bestimmt.

babysitter und strickjacke. beides fehlanzeige. aber: hehe, die diskokugel findet bald ihren ort. wir haben schon einige ecken in der wohnung getestet. sind uns noch nicht einig ob mit motor und spot oder einfach so. und: die wohnung ist fast rauhfaserfrei. stand das nicht auch auf der liste? gärtnern, yes, klappt gut und das mit dem bücherkauf, na, das plane ich mal lieber nicht.

dinge

ich habe im vergangenen jahr tatsächlich nur vier fünf bücher nagelneu gekauft. viel aus der bücherei gelesen, oder second hand gekauft. ging ganz gut. und auch 2016 geht das so weiter. hey, magic cleaning gelesen, ja, das hat meine sicht auf die dinge mal wieder verändert. gerümpel und dinge die ich liebe. na, immer noch sind hier zu viele unwesentliche gegenstände in der wohnung. aber es werden auch weniger, ich trenne mich leichter von dingen nach der magic cleaning lektüre. neulich habe ich sogar vielleicht fünfzig alte mischkassetten weggeworfen. ich hatte immer spitzenklasse mischkassetten. früher dachte ich, eine radiosendung in der einfach nur eine oder zwei eingesandte mischkassetten gespielt werden, wie wundervoll wäre das! oh, aber meine kämen nun nicht mehr in frage. ohoh, nun bedauere ich das schon ein wenig… den orangefarbenen nagelllack habe ich übersprungen und bin nun zu einem graublauen mit glitzer gekommen. überhaupt, glitzernagellack, tolle sache. flohmarkt, auch tolle sache. aber ach, ich mach mir keinen plan. weniger h und m und mehr verschenkekiste. oder so. haushaltsplan, ja, das eher. mein konsum wird ja schon durch meine geringen finanziellen möglichkeiten begrenzt.

sonst

der garten wird schön und ans verreisen denke ich natürlich auch immerzu. mit den menschen geht es derzeit leichter, wenngleich ich nicht wirklich freundlicher geworden bin. ich lächle und lache weniger als früher. bin weniger heiter. eher skeptisch und sauertöpfisch. vielleicht ändert sich das wenn –

oh!

WP_20151130_08_08_20_Pro2016 ist da. und ich habe mir 2015 noch gar nicht genau angekuckt. das geht mir zu schnell, echt. pläne, vorhaben fürs neue? pfffffff

ok. 2015 war so zerfasert und chaotisch und zeitweilig seeehr energieraubend in seinem chaos. ich kam an keinem ort wirklich zur ruhe. tageweise im garten, ja, dort habe ich einen apfelbaum gepflanzt im herbst. und flieder. es gab viele spaziergänge. wald, wiesen, hier und dort.

neue seelenvolle freunde und mit alten seelige abende. manche habe ich aus den augen verloren, ich habe mich wenig gekümmert und bin im kontakt träge geblieben. ich weiss nicht, woher das rührt, ich wünsche, dass es nur ein teil des wuschigen jahres ist und wieder weggeht. und ich die anderen nicht für immer vergrault habe. ich mag mich so nicht so.

es gab eine schöne reise und einen langen sommer. die ewige suche nach büchern die mir gefallen. wenig theater, wenig konzerte, wenig ausgehen. und kein wochenende alleine irgendwo weg. die wohnung ist schöner geworden und alles fügt sich allmählich zu einem zuhause das ich mag. ich habe viel weggetan & weitergegeben, auch viele erinnerungsgegenstände, immer wieder „gerümpel“ gedacht und dann fiel mir das ganz leicht. mir wurde leichter und die wohnung schöner auch.

es gab ein wochenende auf dem land bei freunden. in einem alten haus, in dem die vergänglichkeit saß und mich angefallen hat aus jeder ecke. beseelte und zur weiteren bedeutungslosigkeit verdammte gegenstände, raumeinbauten. vor vierzig jahren standen da kinder wie meine jetzt und putzten sich die zähne. in frotteeschlafanzügen. spielten auf dem dachboden, im garten, versteckten sich in den einbauschränken im flur. das wochenende war schön und luftig, das haus auch, aber – ich war fertig, alles wird geboren, lebt, vergeht und stirbt. das war mein mantra. und ich kann mich bis heute nicht davon lösen. es ist wie eine gardine, die immer wieder vors fenster weht. was ich mit der gardine im neuen jahr anfange, keene ahnung.

 

 

 

july & fly

WP_20150709_08_48_44_Proja, der war schön der july, gerade die vergangenen beiden wochen. voll mit hin und her und hin. sachen raus und weg. jetzt habe ich zig räucherstäbchen an, oh, ich liebe räucherstäbchen. und ich hab so tolle angesammelt im laufe der zeit. blumen und sandelholz. bier dazu. eine heimliche zigarette auf dem balkon.

gesehen: kinderfilme. den mond. die leeren strassen in der stadt im sommer. fische im wasser.

gegessen: riiesige brombeeren vom strauch. lasagne. indische sachen. eingelegte muscheln. knuspermüsli und kaugummi.

getrunken: bier und literweise kalten milchkaffee.

gelesen: nido und die zeit und seddig: eine nacht und alles. was besser wurde nach seite 93. dennoch reichts mir jetzt so allmählich mit den deutschen zeitgenössischen romanen. einer liegt noch au dem stapel für die ferien: katharina hartwell: das fremde meer.

geärgert: na klar! immer wieder über sachen suchen müssen. und über zahnbehandlungen. und das gääähnend leere konto.

gehört: eine olle mischkassette beim autofahren mit queenandreena drauf und anderen soften sachen mit eins a rythmus.

gekauft: rosa schlappen. ein paar bücher. kleine holzpüppchen für kind zwo. flügel für die schnürsenkel für kind eins.

getan: leute von früher getroffen und die seele ausgebreitet. herumgelaufen, viel. geräumt und gekramt, jaja. geschwommen im see.

gelacht: mit den leuten von früher. und bei den kinderfilmen.

gewundert: wie ich mich in das älterwerden füge. und natürlich werde ich „gefühlt mitte zwanzig“ kucken.

geplant: ein besserer mensch zu werden im alter. vorher erstmal weiter ferien.

 

 

 

zurück zur zukunft, dinge und stimmungen

sIMG_8623chön mit den drei ZZZ

auf zehn zwanzig dreissig verzichte ich im dezember. ich schau mir alle zwölf monate nochmal an. wie geht das daß die zeit so verfliegt?

irgendwie war es ein schönes jahr. trotz jobmühen, viel gewirre, unzufriedenheiten, sozialen unverträglichkeiten, falten an der oberlippe (die schlimmsten!), geldmangel und zeitweise nur aufs wochenende hinleben.

zum ersten mal in holland gewesen, die kinder zum ersten mal für eine woche in einem haus mit viel schönem spielzeug. schöne tage draußen im garten. wieder nicht gezeltet. das kinderzimmer hier ist fertig geworden und die wohnung größer und lichter! viele viele dinge aussortiert, weggeworfen und auf dem flohmarkt für nix verschleudert. an weihnachten wieder dinge angehäuft und nun sitze ich schonwieder da und überlege, wie das alles bitte weniger werden soll?

gesehen: bierbichler mit kindertotenliedern (oder war das schon im vergangnen jahr?) und trust an der schaubühne (gäääääääääääähn). wenig kino. und totales highlight: fsk in einem spitzenladen. alles wie früher nur 20 jahre später, zwar bin ich dann doch nach dem konzert nachhause aber allein dieses verheissungsvolle ich-hätte-mal-ganz-lässig-noch-bis-früh… war toll. oh, noch ein konzert, dear reader & einar stray gleich am ersten tag im neuen jahr. später dann joan as policewoman, umwerfend wie immer. und eine freundin von früher endlich mal wieder getroffen, seltsam wars und innig auch. und noch eine lange-nicht-gesehene-freundin im institut francaise, fast hätt ichs vergessen, getroffen. lillett getrunken mit holunder und sekt. ich geh so wenig aus und dann vergesse ich sie seltenen male, die so süss und kostbar –

zum ende des jahres noch ein wunderbares buch gefunden, ein traumhaft tolles, irrsinnig gutes: thomas glavinic die arbeit der nacht.  ein von vorne bis hinten und zurück ganz wunderbares buch, düster und ergreifend. ich habe mich an keinem satz, an keiner formulierung gestoßen! und: ich habe am ende geweint.

noch gut war in diesem jahr: julie otsuko als wir träumten. davide longo der aufrechte mann. oh, auch so düster! und doris knecht besser – das war ein vergnügen! allein für die furiosen ersten dreissig seiten lohnt sich dieses buch. peter handkes wunschloses unglück ist mir so zugefallen und das paßte. ah, noch ein tolles: esther kinsky am fluß (ja, ich schreibe es nochmal) – wunderbar zum gaaaaanz laaaangsam lesen. angefangen, das bücherregal umzuräumen, weg von der superfront im wohnzimmer, auch das soll lichter werden.

gehört: den soundtrack von broken circle breakdown immer mal wieder. und die fleet foxes jetzt am jahresende. ein paar alte mix cds. deutschlandradio entdeckt. ich als ewige pop und unterhaltungssachen hörende sitze plötzlich im auto um irgendeinen beitrag zuende zu hören.

am ende des jahres noch eine bluse mit vögeln und blütenzweigen gekauft. und kaffee aus dieser japanischen filterkanne getrunken, festgestellt: filterkaffee ist okeh. espresso besser. das jahr geht wieder bei lieben lieben freunden zuende, draussen vor der stadt. mit viel übers vergangene jahr reden und über pläne auch. hach ich freu mich!

komm süsser september

und bring goldenes licht und sonne und noch einen nachgeschmack des sommers – ich komme mal wieder nicht mit dem schnellen ende des sommers zurecht. das jahr fliegt geradezu vorbei, ist das ein zeichen des älterwerdens? oder sind die tage und wochen einfach zu voll um innezuhalten? manchmal denke ich: die zahl der sommer die noch kommen ist endlich – und will das nicht. ich will das gefühl haben, dass alles endlos ist und die jahreszeiten nicht zusammenschnurren auf ein paar wochen.

wie war der august? warm und schön und durcheinander und ferienende und eine unglaubliche hektik und dieses sich-einfinden in den alltag so ermüdend. jetzt ist kind zwo krank und diese woche wird vielleicht laaaaangsam und gemächlich und ich hoffehoffehoffe, dass ich in der lage bin mal schöne sachen mit kind zwo zu machen, gerade habe ich die tabletts bei eltern vom mars bewundert…. so viel sorgfalt und struktur! da wäre mein kind zwo ein anderes, wäre ich so aufmerksam und zugewandt. ja, ich tu andere dinge. welche anderen dinge eigentlich? kind eins sagte heute zu mir: du bist die bescheuertste mama auf der ganzen welt. tja.

hmhmhm. easy literatur, easy listening, und gemächlich fahrradfahren….

also der august. ist einfach so vorübergezogen. die sommerferien waren schön und sonnig und nun sind alle braungebrannt und noch findet sich in allen taschen sand. ein tolles buch habe ich gelesen: julie otsuka wovon wir träumten. holunderbeeren gesammelt und heute koch ich sirup daraus. ein paar blüten aus dem garten gepresst. zehn kartoffeln geerntet und samen gesammelt fürs nächste jahr. einen gartenplan gemacht. nächste saison wirds ernst. ich will sachen aus dem garten essen.

hehe, da ist kürbis, da sind kartoffeln und brombeeren und ein paar bohnen bestimmt auch und die zutaten für den mir allerliebsten salat: kapuzinerkresse, pimpinelle und ein wenig rucola. mmmh. komm süsser september!